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Ein Literaturprojekt der Klasse 11 im Deutschunterricht von Pia Siebert-Neuser

Was bleibt von Emilia Galotti in Zeiten der KI? Vielleicht: Die Frage nach Macht, Moral und menschlicher Freiheit. Im Projekt „Emilia Galotti – goes KI!“  haben die Schüler der 11. Schulstufe der Deutschen Internationalen Schule Zagreb Lessings Drama durch die Linse von Prompts, Parametern und Pixeln betrachtet und daraus eine Graphic Novel erschaffen, die zwischen digitaler Ästhetik und moralischer Tiefe changiert – immer mit dem Leitgedanken: Freiheit denken, Freiheit gestalten.

Dabei ging es nie nur um Technik, sondern um Reflexion. Um den Mut, den Kanon neu zu vermessen. Und um die Erkenntnis: KI kann ein Spiegel sein. Für das, was uns bewegt. Für das, was uns erschreckt. Und für das, was dazwischen liegt. Die Jugendlichen stellten sich dabei der Frage, wie sich ein Klassiker so erzählen lässt, dass er ihre Lebenswelt trifft, ohne an Tragik und Ernsthaftigkeit einzubüßen. Ihre Antwort: Indem man die Möglichkeiten der KI kritisch-kreativ auslotet. Und indem man erwartbare Brüche nicht nur zulässt, sondern sie vielmehr als Chance versteht.

Bei der Lektüre analysierten sie zentrale Szenen, identifizierten emotionale Wendepunkte und entwickelten visuelle Leitideen. Mit vielfältigen digitalen Tools testeten sie Prompts und Bildstile und experimentierten mit Perspektiven und Symbolik. Trotz technischer Hürden, etwa der Limitierung kostenloser Zugänge oder inkonsistenter Bildstile, konnten sie disparate KI-Ergebnisse durch gestalterische Mittel wie Filter, Spiegelungen, Re-Fokussierungen und Collagen in eine kohärente visuelle Erzählung überführen.

Das Ergebnis ist ein eigenständiger Zugang zu Emilia Galotti, der eine starke Anbindung an den Originaltext wahrt, dabei aber zentrale Zukunftskompetenzen fördert: Prompt Literacy, Medienkritik, Kreativität, Teamarbeit. Die Jugendlichen schätzten vor allem den ergebnisoffenen Zugang, die überraschenden Bildideen, die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen der KI und das Gefühl, einem scheinbar fernen Werk so nah zu kommen.

Emilia Galotti goes KI steht so für einen Literaturunterricht zwischen Tradition und Transformation und zeigt, wie Klassiker im Dialog mit KI neue Relevanz gewinnen – und vor allem, wie wir die Freiheit, unsere Geschichten zu denken, immer wieder neu gestalten können.